Montag, 30. November 2015

Du sollst nicht falsch Zeugnis geben

Pressekonferenz des Erzbistums vom 12. November 2015 
zur St. Hedwigs-Kathedrale

Nur Umbauplanungen werden vorgestellt
Nun liegt eine Pressemitteilung des Erzbistums Berlin vom 12.11.2015 vor, die aufmerksame Leser verwundert.
Da werden Absichten und Wünsche einzelner Personen als wichtige und fachgerechte Aufgaben der Kirche dargestellt. Beratung in fachlicher Hinsicht wird nur von denen berücksichtigt, die entweder als abhängig Beschäftigte befangen oder als Auftragnehmer honorarorientiert sind.

Die Planer des Umbaus beschreiben ihr Projekt und geben auch noch vor, welche Maßnahmen sie bei einer „Sanierung“ für nötig halten. So kommt es dazu, dass sich die Kosten eines Totalumbaus „nur“ um 26 Mio. Euro von einer sogenannten „Sanierung“ unterscheiden.

Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und andere Werte
Die Katholische Kirche sieht sich berufen, Werte zu vermitteln. Glaubwürdigkeit gehört zu den Werten, die berücksichtigt werden sollten.
Nur wenn die Kirche selbst den Wert „Glaubwürdigkeit“ achtet, wird sie auch als Vermittlerin ewiger Werte anerkannt werden, wozu sie sich von Gott berufen sieht. 

Beispiel zum Thema „Ingenieurgeologie“
Der Finanzdezernent Jünemann und Dompropst Rother wollten auf der Pressekonferenz die Sorgen vor Risiken von tiefbaulichen Eingriffen (wie an der Friedrichswerderschen  Kirche) durch ingenieurgeologische Ausführungen entkräften:
In der Berliner Zeitung vom 14.11.2015 fasste Julia Haak dies so zusammen:

„Bodenuntersuchungen ergäben aber keinen Grund zu Befürchtungen, so das kirchliche Baudezernat. Die Kathedrale stehe auf den Überresten des historischen Festungswalls und damit auf festerem Grund als andere Gebäude.“

Dompropst Rother (Bildmitte), einstmals von Kardinal Woelki eingesetzter Baubeauftragter
 des Erzbistums für die St. Hedwigs-Kazhedrale, sagte nicht viel auf der Pressekonferenz


Ingenieurgeologische Enthüllung von Dompropst Rother
Dompropst Rother stößt mit seiner Bemerkung zum Festungswall die Öffentlichkeit auf ein zusätzliches Problem, dass beim Baugrund der St. Hedwigs-Kathedrale jeden unnötigen Eingriff in den Fundamentbereich verbieten sollte. 



In dem Ausschnitt aus der ingenieurgeologischen Karte, der das Grundstück der Kathedrale zeigt, ist der Verlauf des aufgefüllten Grabens vor dem Festungswall dargestellt.
Die senkrecht gestreifte zickzackförmige Fläche symbolisiert den Graben.
Der offiziellen Karte des Umweltatlas ist zu entnehmen, dass der Portikus, der Eingangsbereich der Kathedrale, außerhalb der Wallanlage über Auffüllungen, also instabilerem Boden „schwebt“. Dieser Teil ist neben dem Wall gegründet. Einige andere Bereiche des Bauwerks sind auf Resten eines alten Bollwerks errichtet. Der südliche Anbau liegt wieder über wenig tragfähigem Boden. Verschiedene Untergründe, die einen instabilen Baugrund bilden. 
Diese zusätzliche Verunsicherung hätte der Verantwortliche des Erzbistums für Bauaufgaben an der Kathedrale (Dompropst Rother) der ohnehin besorgten Öffentlichkeit ersparen können.
Wenn er es aber als Argument vermeintlicher Sicherheit für den Umbau zu gebrauchen meint, sollte man genau darauf eingehen.

Die Kathedrale steht also nur mit „einem Bein“ auf dem Festungswall. Nun würde man gern wissen, wie die Altvorderen im 18. Jahrhundert es geschafft haben, wozu viele heutigen Baufirmen in Berlins Mitte nicht in der Lage zu sein scheinen. Im 21. Jahrhundert geschieht folgendes: Friedrichswerdersche Kirche, U-Bahntunnel und einiges mehr rutschen ab, senken sich und lassen die Gebäude bersten.
Die St. Hedwigs-Kathedrale steht seit über 240 Jahren sicher.

Gibt es Eichenstämme einer Pfahlgründung, womöglich verschiedener Länge, die unter den Steinfundamenten die unterschiedlichen Setzungsbedingungen abfangen, die zwischen Wallverlauf und Normalbereich bestehen? Die Nachweise müssten in einem Gutachten enthalten sein. Aber wenn kaum Erkundungsbohrungen durchgeführt und nicht durch Bodeneinschnitte die historischen Fundamente der Kathedrale ergründet wurden, wird ein Gutachten dazu nichts aussagen können und wäre keine verlässliche Grundlage für Bauentscheidungen. 

Kommentare:

  1. Hervorragende Grafik Diese Seite und Buchung erregte meine Aufmerksamkeit. Es ist schön, dass Blogs wie dieses existieren!

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  2. Maximilian Garbe9. Februar 2016 um 20:46

    Seine Eminenz, Dompropst Rother ist ein alter, kranker Mann, der durch Herrn Woelki erstmals wieder Beachtung gefunden hat. Er ist kein gebürtiger Berliner und hier auch nie warm geworden. Seine Zeit als Generalvikar hat schmerzliche Wunden bei Vielen hinterlassen. Woelki wollte ihn durch das zusätzliche Amt aufwerten und Rother sich durch die Radikalveränderung der Kathedrale einfügt alle mal am Bistum rächen, für die Schmach von Georg Kardinal Sterzinsky nicht ernst genommen worden zu sein.
    Und er will Entscheidungen herbeiführen? Lächerlich. Eher wir der Petersdom abgerissen!

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